Johann Müller: Visionärer Wegbereiter des Friesensports und leidenschaftlicher Förderer der Jugend.
Der Friesische Klootschießerverband (FKV) trauert um Johann Müller aus Aurich-Leegmoor, der am 29. April 2026 im Alter von 77 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben ist.
Mit Johann Müller verliert der Friesensport eine prägende Persönlichkeit, deren Wirken weit über Generationen hinausreicht. Der Berufsschullehrer verband seine pädagogische Berufung mit einer außergewöhnlichen Leidenschaft für den Friesensport – und wurde so zu einem der wichtigsten Wegbereiter moderner Nachwuchsarbeit.
Bereits in den 1990er-Jahren begann Müller gemeinsam mit seinem engen Weggefährten Uwe Rolf – Inhaber der A-Lizenz in der Leichtathletik – intensiv an Bewegungsabläufen und Spielformen im Boßeln zu arbeiten. Aus diesen Überlegungen heraus entwickelte er Konzepte, die den Friesensport systematisch für den Unterricht und das Training aufbereiteten.
Seit den 1990er-Jahren war Johann Müller zudem als Referent in der C-Lizenz-Ausbildung tätig und prägte Generationen von Übungsleiterinnen und Übungsleitern. Sein Ziel war es stets, den Friesensport methodisch fundiert und nachhaltig zu vermitteln.
Ein Meilenstein seines Wirkens war das Jahr 1995: In Zusammenarbeit mit dem Gemeinde-Unfallversicherungsverband und unterstützt von der Ostfriesischen Landschaft entstand der Film „Boßeln macht Spaß … auch in der Schule“. Dieses Projekt war ein entscheidender Schritt, um den Friesensport in den schulischen Alltag zu integrieren – verbunden mit der Entwicklung speziell angepasster Sportgeräte.
Am 21. Mai 2001 wurde Boßeln schließlich offiziell als Schulsport anerkannt – ein Erfolg, der untrennbar mit dem Engagement von Johann Müller verbunden ist. In Ihlow wurde in der Folge das erste Schulturnier unter Aufsicht der Bezirksregierung durchgeführt – ein historischer Moment für den Friesensport.
Weitere Höhepunkte folgten: Im Frühjahr 2004 organisierte Müller im Rahmen der Europameisterschaften in Westerstede gemeinsam mit der Bezirksregierung ein Hallenturnier von landesweiter Bedeutung. In zwei Dreifachhallen nahmen an einem Vormittag rund 950 Schülerinnen und Schüler der Klassen 1 bis 10 teil – ein bis heute unvergessenes Ereignis und Ausdruck seiner Vision, den Friesensport in die Breite zu tragen.
Johann Müller war es, der den Friesensport konsequent in die Schulen brachte und dabei unermüdlich dafür kämpfte, dessen Stellenwert in der Öffentlichkeit neu zu definieren. Für ihn war klar: Friesensport ist weit mehr als „Bollerwagen-Touren, die dem Freizeitvergnügen dienen“. Er verstand ihn als ernsthaften Leistungssport, der hohe technische Fähigkeiten und systematisches Training erfordert – und zugleich als kulturelles Erbe, das in besonderem Maße förderungswürdig ist.
Durch seine Überzeugungsarbeit gelang es ihm, politische Entscheidungsträger für diese Sichtweise zu gewinnen und wichtige Fördermittel für die Nachwuchsarbeit zu erschließen. Seine didaktischen Konzepte – insbesondere im Bereich des Hallentrainings – bilden bis heute die Grundlage moderner Trainingsarbeit im Verband.
Auch über den Sport hinaus setzte Müller Akzente: Für sein innovatives „Müllspiel“ wurde er zur Jahrtausendwende mit dem Bundesumweltpreis ausgezeichnet – ein weiteres Beispiel für seine Kreativität und seinen ganzheitlichen pädagogischen Ansatz.
Neben all seinen fachlichen Verdiensten bleibt Johann Müller vielen auch menschlich in besonderer Erinnerung. Legendär waren seine Auftritte bei Fortbildungen, wenn er zum Abschluss mit Nikolausmütze und Akkordeon in die Halle kam und für Gemeinschaft, Freude und Zusammenhalt sorgte.
Sein Wirken reicht bis in die Gegenwart: Noch heute werden Schulturniere durchgeführt, die auf seine Ideen und Strukturen zurückgehen. Johann Müller hat den Friesensport nachhaltig geprägt – auf der Straße, auf dem Feld und in der Halle.
Der Friesische Klootschießerverband wird Johann Müller ein ehrendes Andenken bewahren. Sein Vermächtnis lebt in den Strukturen des Verbandes, in der Ausbildung der Übungsleiter und vor allem in den vielen jungen Sportlerinnen und Sportlern weiter.
Unsere aufrichtige Anteilnahme gilt seiner Ehefrau Hilde, seinen Kindern und Enkelkindern sowie allen Angehörigen.